Psychische Schwierigkeiten und Bewältigungsstrategien
So entstehen Mißverständnisse
Die Reaktionen ihrer Mitmenschen auf die Erkrankung gehört für viele Betroffene zu den schlimmsten Auswirkungen der Psoriasis. Dabei müssen es keine Extreme – wie z.B. Schwimmbadverbot – sein. Oft sind es die kleinen Gesten des Alltags, die besonders schmerzlich sind: verstohlene Blicke oder unmerkliches Abrücken, z.B. in der Warteschlange des Supermarkts.
In solchen Situationen läuft meistens eine ganze Kettenreaktion von Mißverständnissen ab. Und so kann man sich die einzelnen Glieder dieser Kette vorstellen:
Der Mensch ist von Natur aus neugierig. Also möchte der Nicht-Psoriatiker natürlich auch die ihm unbekannte Schuppenflechte sehen.
Der Hautkranke hat bereits einige Male Ablehnung erfahren müssen und ist „auf der Hut“ – er erwartet die Zurückweisung geradezu
Direkte Blicke sind in unserer Gesellschaft verpönt, deshalb muß der andere heimlich hinsehen – er mustert den Erkrankten mit „verstohlenen“ Blicken.
Scham und Ablehnung ähneln sich in der Gestik. Und der Betrachter schämt sich seiner unangebrachten Neugier wegen. Der Hautkranke allerdings interpretiert die eigentlich verschämten Blicke als Ablehnung – aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen und seiner „Erwartungshaltung“.
Jetzt versucht der Psoriatiker erst recht, die betroffenen Hautstellen zu verbergen.
Als Folge muß der andere sich besonders anstrengen, seine Neugier zu stillen. Ihm kommt der Verdacht, der Psoriatiker hätte tatsächlich etwas zu verbergen!
Gleichzeitig wächst im Nicht-Psoriatiker die Sorge um die eigene körperliche Unversehrtheit. Denn je weniger er seine Neugier befriedigen kann, je größer sein Unwissen hinsichtlich der Natur der Erkrankung ist, desto stärker wird er verunsichert. Der Betrachter zieht sich zurück und zeigt nun tatsächlich Ablehnung.
Schuppenflechte im sozialen Umfeld: Partner, Freunde, Kollegen
Während das „Unbekannte“ der Krankheit eher für kurze oder neue Kontakte entscheidend ist, sind die Bedingungen in längerfristigen Beziehungen, vor allem Partnerschaften, meist andere. Einige der charakteristischen Belastungen sind:
Langwierige therapeutische Maßnahmen müssen bei der Planung gemeinsamer Aktivitäten berücksichtigt werden.
Der Partner setzt sich selbst unter Druck: Er meint, zur Krankheit und gegebenenfalls auch zur Stigmatisierung des anderen Stellung beziehen zu müssen.
Negative Empfindungen wie Wut oder Ekel werden oft nicht geäußert. Wenn sie unterschwellig wahrgenommen werden, kann es zu Mißverständnissen oder sogar Entfremdung kommen.
Einige Aktivitäten, wie z.B. ein Schwimmbadbesuch, können zeitweise gar nicht gemeinsam wahrgenommen werden.
Manchmal müssen Teile einer Beziehung neu definiert werden, wie z.B. die Rollenverteilung, wenn der Erkrankte seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.
Oft werden zu viele Äußerungen und Verhaltensweisen des Betroffenen von der Umwelt als Folge seiner Krankheit interpretiert. Er wird in erster Linie als Psoriatiker wahrgenommen und über die Krankheit definiert.
Natürlich können nicht alle Probleme im Gespräch gelöst werden. Aber eine offene Aussprache kann Mißverständnisse verhindern und gedrückte Stimmungen, die „in der Luft liegen“, klären.